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Bauchwassersucht (Energiemangelsyndrom) bei Koi

Häufig liegen im Winterhalbjahr und zeitigem Frühjahr die Koi schräg am Boden und zeigen Symptome wie stark aufgetriebener Bauch, Glotzaugen und Schuppensträube. Die Schuppen liegen dabei nicht mehr wie gewohnt eng am Körper an, sondern stehen ab wie bei einem Tannenzapfen. Oft finden sich auch Entzündungen am Bauch und an der Flossenbasis.

Fälschlicherweise wird diese Erkrankung mit der sogenannten „Frühjahrsvirämie“ in Verbindung gebracht. Bei der „Frühjahrsvirämie“ handelt es sich um eine gefürchtete Viruserkrankung bei Karpfen, die in Naturteichen auftreten kann. In den Koiteichen tritt diese Viruserkrankung jedoch nur extrem selten auf. Hier handelt es sich vielmehr in der Regel um ein Energiemangelsyndrom. Dieses wird auch als „Bauchwassersucht“ bezeichnet, wegen des äußerlich erkennbaren Symptoms, einem aufgetriebenen Bauch, mit einer Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle, die meist zu einer Schuppensträube führt.

Bei sehr niedrigen Wassertemperaturen oder nach starken Temperaturschwankungen im Frühjahr oder Herbst, kann sich bei Koi ein Energiemangelsyndrom entwickeln.

Berührt man die schräg am Boden liegenden Koi mit einem Kescher, schwimmen sie kurzzeitig weg, gehen dann aber wieder in Schräglage apathisch auf den Boden oder legen sich flach auf die Seite.

Ursächlich hierfür ist, dass der Energievorrat der betroffenen Koi sehr gering ist oder sogar komplett verbraucht ist. In der Folge führt dies zu einer Nierenfunktionsstörung. Durch osmotischen Druck dringt stetig Teichwasser in die Zellen des Koi ein, welches durch die Nieren wieder ausgeschieden werden muss. Dieser natürliche Vorgang findet permanent statt und bereitet gesunden Koi auch keine Probleme. Es wird hierfür aber Energie verbraucht, welche bei einem Energiemangelsyndrom nicht mehr ausreichend zur Verfügung steht. Weitere Energie wird für Atmung und Ammoniakausscheidung benötigt und verbraucht.

Dem Entstehen der Bauchwassersucht kann durch angepasste Fütterung und angemessenen Wassertemperaturen vorgebeugt werden.

Koi sind eine wärmeliebende Fischart und bevorzugen einen Wassertemperaturbereich von 20° C und höher. Als wechselwarme Lebewesen sind Koi auch in der Lage längere Kälteperioden zu überstehen. Unter Koi-Haltern und in veralteter Fachliteratur wird häufig die Meinung vertreten, dass das aufgenommene Futter unterhalb einer Wassertemperatur von 10° C nicht mehr ausreichend verdaut werden könne. Als Folge würde das das Futter im Darm verfaulen und Entzündungen könnten im Darm entstehen.

Erwiesenermaßen nehmen Koi die Nahrung bis zu einer Wassertemperatur von ca. 5° C auf, eine Winterruhe findet bis zu diesem Temperaturbereich nicht statt. Lediglich bei einem plötzlichen Temperaturabfall kann der Koi die Aufnahme von Futter für wenige Tage einstellen. Nachdem der Koi sich an die kältere Umgebungstemperatur angepasst hat, nimmt er wieder Nahrung auf. Die Zeit, welche für die Verarbeitung der aufgenommenen Nahrung benötigt wird, ist bei kalten Wassertemperaturen erhöht, weshalb auch wesentlich weniger gefüttert werden darf als bei warmen Temperaturen.

Die Koi müssen Ihre Energiereserven durch geeignetes leichtverdauliches Futter wieder auffüllen. Hierfür eignen sich Futtersorten mit hohem Anteil an Weizenkeimen (Wheat Germ) und geringerem Eiweißanteil.

Ab Spätherbst wenn die Teichtemperaturen unter 10 Grad sinken ist es ratsam zwei bis dreimal pro Woche ein wenig mit Weizenkeimfutter (Wheat Germ) zu füttern. Es gibt auch spezielles Sinkfutter, welches den Koi die Nahrungsaufnahme direkt auf dem Teichboden ermöglicht. Hierdurch werden die Energiereserven etwas weniger belastet. Wie bei Verwendung von Schwimmfutter, sollte man bei der Fütterung immer die Koi beobachten, und kontrollieren, ob das Futter komplett aufgenommen wird oder ob einzelne Koi sich absondern. Bei Verwendung von Sinkfutter ist diese Kontrolle aber nur bei glasklarem Teichwasser möglich, bei dem Sie das Futter auf dem Teichboden sehen können

Bei Teichwassertemperaturen von 5 bis 6°C reicht eine einmalige Gabe von Teich Futter pro Woche in der Regel aus.

Temperaturschwankungen über Tag und Nacht, müssen vermieden werden. Diese treten bei kleinen Teichen stärker auf, als bei großen Tiefen Koi Teichen. Je kleiner der Teich, desto mehr Aufwand ist erforderlich die Temperaturschwankungen gering zu halten. Man sollte den Filter gut isolieren (z. B. mit Luftpolsterfolie einpacken), Bachläufe, Springbrunnen und Quellssteine müssen abgeschaltet werden. Alle Belüftungsanlagen kühlen den Koi Teich ebenfalls ab. Bei Frost die zugeführte Luftmenge reduzieren oder kleine Belüfterpumpen verwenden. Da der größte Teil der Wärme über die Wasseroberfläche verloren geht, ist eine geeignete Teichabdeckung zu installieren. Hierfür eignen sich Styrodurplatten, Doppelstegplatten und PE-Bälle Ein Teil der Teichabdeckung sollte lichtdurchlässig, ein anderer Teil lichtundurchlässig (Ruhezone) sein. Es ist darauf darauf zu achten, dass eine kleinere Stelle im Teich nicht abgedeckt wird. Diese offene Stelle ist für den Gasaustausch und die Fütterung erforderlich. Die Teichoberfläche darf niemals vollständig einfrieren. Bei extremem Frost sollten sie einen Teich-Heizstab verwenden.

Die Wasserzirkulation sollte gedrosselt werden. Wenn möglichst nur einen Bodenablauf betreiben und die anderen Bodenabläufe schliessen. Fahren Sie die Pumpenleistung herunter. Hierfür stehen elektronisch regelbare Pumpen zur Verfügung oder ersetzen Sie für den Winterbetrieb die vorhandene Pumpe durch ein Modell mit weniger Leistung.

Ein Temperaturbereich zwischen 8 und 12 Grad ist ungünstig. Wenn Sie über eine Teichheizung verfügen, versuchen Sie möglichst lange die Temperatur im Herbst auf mindestens 12° C zu halten. In den kalten Monaten sollte die Temperatur unter 8° C gehalten werden, jedoch niemals unter den kritischen Bereich von unter 4° C abkühlen lassen. Überprüfen Sie die Wasserwerte auch im Winter.

Bereits an Bauchwassersucht (Energiemangelsyndrom) erkrankte Koi können wenn die Erkrankung sich noch im Angangsstadium befindet, geheilt werden.

Am wichtigsten ist eine Entlastung der Niere und eine langsame Temperaturanhebung von 2 °C pro Tag. Die erkrankten Koi dürfen nur langsam auf höhere Temperaturen gebracht werden. Da die Energiereserven erschöpft sind, würden durch eine zu schnelle Temperaturerhöhung (Fisch verbraucht noch mehr Energie bei höherer Temperatur) die Fische durch den kompletten Zusammenbruch des Immunsystems sterben und darüber hinaus würden sich parasitäre und bakterielle Sekundärinfektionen einstellen.

Die zweite wichtige parallele Maßnahme die erkrankten Koi zu retten ist die Zugabe von Teichsalz als Dauerbad. Die Zugabe von jodfreiem Salz kann dem Koi bei der gestörten Osmoseregulation (Nierenfunktionsstörung) unterstützen. Durch Anhebung des Salzgehaltes im Teichwasser verringert sich die Differenz zwischen Salzgehalt Teichwasser und dem höheren Salzgehalt im Körpergewebe des Koi. Der osmotische Druck nimmt ab, es strömt weniger Wasser ein, die Niere wird entlastet.

Bei Verwendung von Zeolith in den Filtern muss dieses vor dem Aufsalzen komplett entfernt werden. Wasserpflanzen können bei höheren Salzkonzentrationen Schaden nehmen.
Erhöhen Sie die Salzkonzentration im Teich, indem Sie 3 Tage lang 1 Gramm Teichsalz pro Liter zugeben (pro 1000 Liter 1kg). Erhöhen Sie erforderlichenfalls die Dosis durch Zugabe von 1 Gramm Teichsalz pro Liter an 3 weiteren Tagen, die Maximaldosis von insgesamt 6 Gramm Salz pro Liter sollte nicht überschritten werden.

Wenn Sie über ein geeignetes Quarantänebecken mit Filter verfügen können Sie die Behandlung durch Temperaturerhöhung und Salzzugabe darin vornehmen.

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